1906

Über 100 Jahre TSV Bordesholm

Was 1906 mit 42 Turnern und einem geliehenen Barren begann, ist heute einer der größten Sportvereine der Region. Diese Chronik erzählt von Gründungen und Fusionen, von Kriegsjahren und Neuanfängen — und von einer Gemeinschaft, die Bordesholm seit Generationen zusammenhält.

1905

Die ersten Kicks — Fußball kommt nach Bordesholm

Erste Anfänge des Fußballspiels in Bordesholm. Fußballpioniere dieser Zeit: Wilhelm Plambeck und Hans Reese.

März 1906

Erster Kredit, erste Geräte

Der Vereinswirt Herr Heesch gibt ein Darlehen in Höhe von 130 M; mit diesem Betrag wird ein Barren und eine Turnmatte aus Kokosmaterial erworben.

27. Juni 1906

Die Gründung — 42 Bürger legen los

Auf Betreiben einiger Einwohner und junger Leute von Bordesholm ist eine Versammlung zwecks Gründung eines Turnvereins einberufen worden. 42 Bürger treten dem Männerturnverein Bordesholm bei. Vereinslokal ist das Gasthaus „Alter Haidkrug“.

Juli 1906

Die Sparkasse springt ein

Die Spar- und Leihkasse in Bordesholm „sponsort“ den MTV durch eine Spende in Höhe von 100 M. Ein Reck und 50 Turnstäbe werden angeschafft.

Juli 1907

Eigener Platz, eigener Raum

Der Bau eines Geräteraumes wird beschlossen. Turnplatz ist die Wiese hinter dem Vereinslokal „Alter Haidkrug“.

1908

Vom Nischensport zum Massenphänomen

Nach anfänglichen Schwierigkeiten — als Sport galt es als unschicklich, die Knie nicht zu bedecken — schließen sich immer mehr Sportler dem FC Preußen an. Eine 2. Herrenmannschaft und eine Jugendmannschaft werden aufgestellt.

04. August 1908

FC Preußen Bordesholm — der erste Fußballverein

In „Kaaks“ Gasthof wird der erste Fußballverein Bordesholms gegründet. Er nennt sich Fußballclub Preußen Bordesholm.

1912

Spaltung und Wiedervereinigung als VfB

Da einige Sportler neben Fußball auch andere Sportarten ausüben wollen, kommt es zu Unstimmigkeiten und schließlich zur Spaltung des Vereins. Die vielseitigen Sportler gründen den Verein für Bewegungsspiele (VfB) Bordesholm — nach kurzer Trennung tut man sich wieder unter dem Namen VfB Bordesholm von 1908 zusammen. (1912/13)

1913

Pläne für eine eigene Turnhalle

Der Turnhallen-Bauausschuss unter Leitung der Vorsitzenden Herren Claussen und Reese tagt.

13. März 1913

Einweihung des Gemeindesportplatzes auf dem Haidberg

Der „Gemeindesportplatz“ auf dem Haidberg wird eingeweiht. Der jetzt beginnende spielerische Aufstieg wird jäh durch den Ersten Weltkrieg gestoppt.

1914

Fechten? Nein danke.

Ein Antrag von Turnbruder Hermann Folles auf Gründung einer Fechtabteilung wird abgelehnt.

1918

Aufstieg in die Bezirksliga — ein Dorf sorgt für Aufsehen

Nach Anlaufschwierigkeiten, bedingt durch den Weltkrieg, steigt der VfB bis in die Bezirksliga auf (heute Verbandsliga). Der Ort mit 2.000 Einwohnern und 360 Aktiven erreicht durch diese Leistungen überregionale Bekanntheit. (1918–1927)

23. Februar 1919

Neustart nach dem Krieg

Auf der ersten Generalversammlung nach dem Ersten Weltkrieg wird der Gefallenen gedacht. Der Turnbetrieb läuft im Saal des „Alten Haidkrug“ wieder an. Im Laufe des Jahres steht auch die Turnhalle an der heutigen Grundschule zur Verfügung.

Februar 1921

Die Frauen kommen an den Tisch

Nach Gründung einer Frauenriege gehören dem Festausschuss zur Vorbereitung des Stiftungsfestes erstmals auch Damen an: Frl. Blunck und Frl. Stäcker.

1924

271 Mitglieder — und eine astronomische Schuld

Der Verein hat jetzt 271 Mitglieder und richtet das Gauturnfest aus. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen: Das Inflationsjahr führte zu einem Defizit von 22.652.201.073.402 Mark — in Worten: Zweiundzwanzig Billionen sechshundertzweiundfünfzig Milliarden zweihunderteine Million dreiundsiebzigtausendvierhundertundzwei Mark.

1924

Doppelter Aufstieg — Ligameister und Kreispokalsieger

Nach Abstieg 1924 erneuter Aufstieg in die Bezirksliga als Ligameister und Kreispokalsieger von 1927. Der VfB hat zu diesem Zeitpunkt 3 Herren- und 3 Jugendmannschaften. (1924–1927)

Oktober 1924

Anbau gefeiert, Jugendheim schon im Blick

Der Anbau an das Gerätehaus wird gefeiert — man plant bereits den Bau eines Jugendheimes.

November 1929

Neuer Platz hinter dem Landhaus

Der neue VfB-Platz hinter dem „Landhaus“ wird eingeweiht.

Februar 1932

Musik zum Turnen — der Schallplattenspieler kommt

Für die Turnerinnen wird ein „Sprechapparat“ (Schallplattenspieler) angeschafft, damit sie nach Musik Gymnastik betreiben können.

1934

Dunkle Jahre — der Verein unter dem Führerprinzip

Einfluss der politischen Situation auf den Verein: Benennung des „Vereinsführers“, Querelen mit dem Ortsgruppenleiter, mehrfache Satzungsänderungen, die dem „Führerprinzip“ auch im Verein Rechnung tragen müssen. Installierung eines „Führerrings“ und eines „Führerstabes“ anstelle des früheren Vorstandes. (1934–1940)

1934

Meister der Kreisklasse Ost — zurück in der Bezirksliga

Nach zwischenzeitlichem Abstieg aus der höchsten Spielklasse wird der VfB Meister in der Kreisklasse Ost und steigt erneut in die Bezirksliga auf. (1934/35)

1939

Kriegsjahre — Spielbetrieb eingestellt

In den Kriegsjahren ist man gezwungen, den Spielbetrieb einzustellen. (1939–1945)

05. November 1945

Neustart mit sechs Abteilungen

Auf einer von Karl Rutz einberufenen Versammlung wird beschlossen, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Neben dem Fußball gründen sich Abteilungen für Handball, Tischtennis, Turnen, Leichtathletik, Boxen und Kegeln. Nach einiger Zeit lösen sich bis auf Fußball und Tischtennis die Abteilungen wieder auf.

1946

Wiederaufnahme nach dem Zweiten Weltkrieg

Mitgliederbestand: 199 — davon 82 Kinder, 85 Frauen und 32 Männer. Der Übungsbetrieb wird wieder aufgenommen.

August 1946

Zurück auf dem Platz — vor allem dank der Frauen

Turner und Turnerinnen nehmen am ersten Sportfest in Schönberger Strand teil. Für 24 Reichsmark wird das ehemalige Eigentum des MTV, das von der Militärregierung beschlagnahmt wurde, gepachtet. Die Aktivitäten des MTV begründen sich vor allem auf den Einsatz der weiblichen Mitglieder, da viele Turner gefallen sind oder sich noch in Kriegsgefangenschaft befinden.

September 1950

Neuer Verband, neue Satzung

Der Deutsche Turnerbund organisiert sich, der MTV gehört dem Turngau Mittelholstein an. Die neue Satzung des Vereins wird beim Amtsgericht Bordesholm eingereicht.

1952

Verluste: Platz, Halle, Vereinslokal

Der Sportplatz „Oberer Haidberg“ wird abgetragen, das Gerätehaus abgerissen, der „Alte Haidkrug“ wird Sparkassenschule.

1955

Neubau und jahrzehntelanges Provisorium

Neubau des Umkleidegebäudes. Beginn des jahrzehntelangen Sportplatzprovisoriums „Haidbergplatz“.

1955

Aufstieg in die zweithöchste Staffel Schleswig-Holsteins

Aufstieg in die zweithöchste schleswig-holsteinische Staffel.

1956

Jahre mit wechselndem Erfolg

Spieltätigkeit mit unterschiedlichem Erfolg — zweite Plätze in den Saisons 1961/62 und 1972/73. (1956–1973)

1960

Die Tischtennisabteilung wechselt zum MTV

Die gesamte Tischtennisabteilung des VfB wechselt zum MTV Bordesholm.

27. Juni 1973

MTV und VfB werden der TSV Bordesholm

Jahrelange Bemühungen, die beiden Bordesholmer Sportvereine MTV und VfB zusammenzuschließen, werden endlich von Erfolg gekrönt. Nachdem die Verhandlungen soweit gediehen sind, dass man in Mitgliederversammlungen über eine Fusion abstimmen kann — um bereits zur Einweihung des neuen Sport- und Jugendzentrums als „Einheit“ auftreten zu können — scheitert das Vorhaben zunächst beim MTV. Bei einer erneut einberufenen Mitgliederversammlung kommt es zur Auflösung des MTV. Der Gründung des neuen Sportvereins, der sich „Turn- und Sportverein Bordesholm von 1906 e.V.“ nennt, steht nichts mehr im Wege.